Eisenmangel mit Tabletten oder Infusionen be­han­deln?

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Die Diagnose Eisenmangel wird heute schnell gestellt. Aber nicht immer ist eine Therapie notwendig. Und nicht immer braucht es gleich eine Eiseninfusion. Woran man sich orientieren kann.

Unser Körper braucht Eisen

Keine Frage: Eisen leistet im Körper wichtige Dienste. Es ist notwendig für alle Stoffwechselvorgänge, den Sauerstofftransport und die Blutbildung. Und spielt nach neueren Erkenntnissen beim Informationsaustausch zwischen den Nervenzellen eine wichtige Rolle.

Das Wichtigste auf einen Blick

Eisen ist notwendig für alle Stoffwechselvorgänge, den Sauerstofftransport und die Blutbildung.

Frauen benötigen ca. 15mg pro Tag und Männer ca. 10mg pro Tag. Schwangere Frauen haben einen erhöhten Bedarf von ca. 30mg pro Tag.

Das Eiweiss Ferritin zeigt an, wie hoch die Eisenreserven sind. Ab einem Ferritin-Spiegel unter 15 Nanogramm pro Milliliter Blut spricht man in der Schweiz von einem Eisenmangel.

Symptome für Eisenmangel sind Muskelschwäche, wenig Ausdauer, fehlende Konzentration, schlechtes Gedächtnis, Kopfschmerzen, Stimmungsschwankungen, brüchige Nägel, Haarausfall, trockene Haut, eingerissene Mundwinkel und Appetit auf Lehm und Erde.

Besonders viel Eisen enthalten rotes Muskelfleisch oder Leber, Hülsenfrüchte wie Linsen oder Sojabohnen, Nüsse und Samen wie Pistazien oder Sonnenblumenkerne, Gemüse und Kräuter wie Brunnenkresse, Petersilie oder Zwiebeln.

Bei Eisenmangel mit Blutarmut ist eine Therapie grundsätzlich notwendig ab einer Konzentration an Blutfarbstoff unter 12 Gramm pro Deziliter Blut bei Frauen und 13 Gramm pro Deziliter bei Männern. Bei Eisenmangel ohne Blutarmut ist eine Behandlung bei Symptomen sinnvoll.

Grundsätzlich sind immer zuerst Tabletten empfohlen, da die Eisenzufuhr verteilt über einen längeren Zeitraum verträglicher ist. Erst bei Unverträglichkeit oder mangelndem Ferritin-Anstieg bietet sich eine Eiseninfusion an.

Wann sprechen wir von Eisenmangel

Welcher Eisenwert im Blut normal ist, dazu gibt es keine allgemein anerkannten Grenzwerte. Ein Anhaltspunkt liefert jedoch das Eiweiss Ferritin. Es zeigt an, wie hoch die Eisenreserven im Körper sind. Liegt der Ferritin-Spiegel unter 15 Nanogramm pro Milliliter Blut (ng/ml), gelten die Reserven als erschöpft. Wichtig: Für eine zuverlässige Diagnose sollte auch der Wert des Eiweisses CRP bestimmt werden. Damit lassen sich akute Entzündungen und Infektionen ausschliessen, denn diese erhöhen das Ferritin.

Eisenmangel ist der häufigste Mikronährstoffmangel bei Erwachsenen in industrialisierten Ländern.
Albina et al., Swiss Medical Weekly

Menstruation als Ursache für Eisenmangel

Ärzte unterscheiden zwei Mangel-Stadien, abhängig vom Schweregrad: den latenten Eisenmangel ohne Blutarmut (Anämie) und den Eisenmangel mit Blutarmut, Eisenmangelanämie genannt. Wiederholter Blutverlust wie die Menstruation ist eine der häufigsten Ursachen für Eisenmangel. Studien aus Europa und den USA zeigen, dass 15% bis 20% aller Frauen im Menstruationsalter Eisenmangel ohne Anämie haben. Unter einer Eisenmangelanämie leiden zirka 3%.

Symptome für Eisenmangel

  • Muskelschwäche
  • wenig Ausdauer
  • fehlende Konzentration, schlechtes Gedächtnis
  • Kopfschmerzen
  • Stimmungsschwankungen
  • brüchige Nägel, Haarausfall, trockene Haut, eingerissene Mundwinkel
  • Appetit auf Lehm und Erde
Studien aus Europa und den USA zeigen, dass 15% bis 20% aller Frauen im Menstruationsalter Eisenmangel ohne Anämie haben.

Wann in Therapie?

Grundsätzlich gilt: Wer unter Blutarmut leidet, sollte sich behandeln lassen. Dann ist die Konzentration an Blutfarbstoff (Hämoglobin) zu gering. Laut WHO beträgt der Normwert bei Frauen mindestens 12 Gramm, bei Männern mindestens 13 Gramm pro Deziliter Blut. Hat jemand Eisenmangel, aber keine Blutarmut, ist eine Behandlung nur bei Symptomen sinnvoll. Denn niedrige Eisenwerte gehen nicht zwingend mit Beschwerden einher. Ausnahme: Studien haben gezeigt, dass müde Frauen im Menstruationsalter von einer Therapie profitieren können, dies auch bei Eisenmangel ohne Blutarmut. Allerdings nur bei einem Ferritinwert deutlich unter 15 ng/ml.

Eiseninfusion ist zweite Wahl

Ärzte der Gruppenpraxis Medix empfehlen: Immer zuerst Eisentabletten verschreiben. Es sei für den Körper verträglicher, die Eisenzufuhr über einen längeren Zeitraum auf mehrere kleine Portionen zu verteilen. Bei den heute oft verschriebenen Infusionen hingegen fülle man das gesamte Defizit nicht selten in ein bis zwei Sitzungen auf. Eisen kann in hoher Dosierung aber toxisch sein und sogar zum allergischen Schock führen. Erst bei Unverträglichkeit oder mangelndem Ferritin-Anstieg bietet sich eine Eiseninfusion an, diese allerdings moderat dosiert.

Keine Selbstbehandlung

Darüber hinaus wichtig: Eine Therapie nie auf eigene Faust, sondern immer unter ärztlicher Kontrolle durchführen. Die Symptome eines Eisenmangels sind unspezifisch, und manchmal kann eine andere Ursache dahinterstecken. Deshalb ist eine laborchemische Diagnose notwendig. Zudem sollte das Blut nach mehreren Wochen erneut untersucht werden. Nur so lässt sich feststellen, ob der Eisenspeicher wieder voll ist.

Welche Lebensmittel sind eisenhaltig?

Der tägliche Bedarf an Eisen lässt sich über Lebensmittel decken. Besonders eisenhaltig sind diese Lebensmittel:

  • rotes Muskelfleisch oder Leber
  • Hülsenfrüchte wie Linsen oder Sojabohnen
  • Nüsse und Samen wie Pistazien oder Sonnenblumenkerne
  • Gemüse und Kräuter wie Brunnenkresse, Petersilie, Zwiebeln

Besonders in der vegetarischen und veganen Ernährung sollte auf genügend Eisen, wie auch Vitamin B12 geachtet werden. Vitamin B12 und Eisen können als Nahrungsergänzungsmittel gerne kombiniert werden.

Lebensmittel, die Eisenaufnahme verbessern

Vitamin C, gegärte Lebensmittel wie Sauerkraut und organische Säuren (Zitrusfrüchte, Fruchtsäfte) verbessern die Eisenaufnahme. Aber: Wer Eisenmangel mit Symptomen hat, kann ihn nicht durchs Essen wettmachen. Dann braucht es in der Regel zusätzlich Eisenpräparate.


Quellen

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